Gedanken zur Fotografie
Vortrag an WildPhotos, Royal Geographical Society, Oktober 2008, London
 
 

Meine Damen und Herren,

Ich muss mit einem etwas seltsamen Bild beginnen. Da war dieser Biber, der im Frühling 2008 begann, seine Höhlen unter Wegen zu graben. In der Schweiz geht das nicht, da macht man höchstens Löcher in Käse. Das gab also einige Aufruhr. Eine Naturschutzorganisation beauftragte mich, ein paar Bilder rund um diese Story zu machen. Dazu ging ich erst mit dem Wildhüter die Region im Schweizer Seeland ab. Der stoppte plötzlich mitten in den Feldern und fragte mich: „Was siehst Du?“ Ich sah nichts. „Ist vielleicht dieser braune Stein dort ...?“ Er gab mir sein Fernglas, und da war dieses wunderbare goldene Auge eines Hasen mitten in der Wiese.

Zwei Wochen später, Ende März. Mitten in der Nacht erwache ich, weil die Luft im Zimmer stickig ist. Eine dicke Schneeschicht hat das Dachfenster zugedeckt. Sofort muss ich an dieses goldene Hasenauge denken, wie das jetzt in der zugeschneiten Landschaft leuchten müsste. Ich packe also mein Fotoausrüstung zusammen, und mit Anbruch des Tages bin ich in den zugeschneiten Hasenfeldern. Und ich sehe ... nichts. Nur die weite, weisse Ebene. Und kein Wildhüter, der mir helfen könnte.
Doch da naht Hilfe vom Himmel. Eine Möwe kreist über mir, lässt sich dann mitten im Feld nieder - dicht neben einem braunen Fleck in der weissen Landschaft. Könnte das etwa ...?